Literaturunterricht und Kompetenzorientierung?

 

Literaturbezogene Kompetenzen – kann es die geben? Literaturunterricht und Kompetenzorientierung, passt das überhaupt zusammen? 

In der Sektion waren wir uns über alle individuellen Arbeitsschwerpunkte hinweg rasch einig, dass allein schon diese Fragen spannend und wichtig sind und dass sich die Arbeit an Antworten allemal lohnt. Literarische Texte, von der Grundschule bis zum Abitur und von der Bildgeschichte bis zum Shakespeare-Drama, haben eine lange Tradition im Englischunterricht und in der schulischen Bildung. Aber im Zuge der Umorientierung des schulischen Unterrichts auf messbare Kompetenzen ist dieser Platz zunehmend in Frage gestellt worden. Das einhellige Credo der Englisch-Sektion ist dagegen: Literarische Texte haben den jungen Menschen so viel anzubieten, sind kulturell so bedeutsam und für das fremdsprachliche Lernen so wichtig, dass man ihnen ihren Platz im Englischunterricht und vor allem in den Herzen und Köpfen der jungen Menschen sichern muss. 

Unser Motto ist dabei: Literatur für alle – von Anfang an! Wir wollen also Vorschläge machen, wie literarisches Lernen in allen Schularten, für alle Schulstufen und für Schüler/innen mit unterschiedlichen Interessen und Begabungen verankert werden kann. Wichtig ist uns zu zeigen, dass unsere Schüler/innen literarisch-ästhetische Erfahrungen auch dann machen, auch wenn sie keine ‚Bücher’ lesen. Vielleicht lesen sie Comics und Graphic Novels, kennen die lyrics von Pop Songs oder schreiben sie sogar selber; schauen Spielfilme, TV Sitcoms oder durchwandern die Stories von Videospielen. Und wir wollen zeigen, dass literarisches Lernen ohne den aufbauenden Erwerb von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen (also von literaturbezogenen Kompetenzen!) nicht möglich ist.

In unserer Buchpublikation

Literaturkompetenzen Englisch: Modellierung – Curriculum – Unterrichtsbeispiele. Seelze-Velber: Kallmeyer-Klett, 2015. (hrsg. von Wolfgang Hallet, Carola Surkamp und Ulrich Krämer)

werden all diese Aspekte im einzelnen dargestellt. Im Mittelpunkt des 1. Teils des Bandes stehen ein literaturspezifisches Kompetenzmodell und ein literaturbezogenes Curriculum für den Englischunterricht in der Sekundarstufe I mit Brücken zur Primarstufe und zur gymnasialen Oberstufe. Im 2. Teil des Buches wird an praktischen Unterrichtsbeispielen zu zahlreichen literarischen Gattungen und medialen Formen vom Gedicht bis hin zur TV Sitcom gezeigt, wie die im 1. Teil theoretisch formulierten Ansprüche und Ziele im Englischunterricht umgesetzt werden können. Auch Kriterien der Textauswahl, methodische Fragen des differenzierenden Literaturunterrichts und nicht zuletzt Wege, Lust am Lesen und an der Literatur zu wecken, kommen ausführlich zur Sprache.

 

Wolfgang Hallet & Carola Surkamp